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Probenahme

Vorgehensweise bei Verdacht einer biologischen Kontamination

Bei Verdacht auf biologische Kontamination schafft die labordiagnostische Untersuchung Klarheit, ob diese tatsächlich vorliegt und durch welchen Erreger sie verursacht wird. Der Untersuchung im Labor geht eine qualifizierte Probenahme vor Ort voraus. Neben der Qualität der Laboranalyse muss dabei auch die Möglichkeit von zusätzlichen forensischen Untersuchungen gewährleistet werden. Diese finden bei einem Verdacht, der sich als Falschmeldung oder übler Scherz herausstellt, ebenso statt wie bei einem möglichen Anschlag.

Bild Probe © Shawn Hempel - FotoliaQuelle: © Shawn Hempel - Fotolia

Im Gegensatz zu chemischen, radioaktiven und nuklearen Stoffen ist eine Echtzeitdetektion biologischer Agenzien bisher nicht zuverlässig möglich. Daher ist eine gezielte Probenahme notwendig. In der Regel wird diese in einem verdächtigen Bereich, aus der Umwelt, von einer Person oder von Lebensmitteln genommen.

Eine erfolgreiche Analyse und Untersuchung der Probe wird unter anderem durch folgende Aspekte gewährleistet:

  1. Probenahme möglichst unter Anleitung von Fachpersonal bzw. in Abstimmung mit Einsatzkräften und Untersuchungslabor
  2. Ausschluss explosiver, radioaktiver und gefährlicher flüchtiger chemischer Substanzen am Probenahmeort
  3. Information des zuständigen Labors und Gewährleistung eines sicheren Probentransports
  4. Feststellen des Aggregatzustands der Probe
  5. Sammelbehälter für eine vielfältige Probenahme bei unbekannten Zustand
  6. Auswahl einer geeigneten persönliche Schutzausrüstung (PSA) nach geltenden Normen
  7. Planung der Dekontamination

Stand: 01.08.2011

    Umweltprobe: Hinweise zur Probenahme

    Boden, Pulver, Bewuchs, Pasten, Flüssigkeiten, Luft

    Eine Umweltprobenahme umfasst nicht nur das "Einsammeln von Probenmaterial, sondern beinhaltet auch eine umfassende Risikoanalyse. Das Probenahmeteam muss geschult und mit ausreichender Schutzkleidung und entsprechendem Zubehör ausgerüstet sein. Eine Verschleppung der Kontamination gilt es zu verhindern und eventuell kontaminierte Personen müssen schnellstmöglich adäquat versorgt werden.

    Generell sollten folgende Aspekte beachtet werden

    1. Repräsentative Probe für Material und Bereich
    2. Saubere, beständige und für den Transport zugelassene Behältnisse - im Falle biologischer Proben zusätzlich steril
    3. Teilung der Probe: Haupt- und Rückstellprobe pro festgelegtem Probenahmeort
    4. Baselineproben - außerhalb der kontaminierten Zone zur Ermittlung der Grundbelastung
    5. Probenahme entlang einer möglichen Ausbreitungslinie: zur Analyse der Kontaminationsausbreitung
    6. Probenahme zur Stoffidentifikation der Leitsubstanz für Ermittlung einer Freisetzungsquelle
    7. Zentrale Probensammelstelle zur äußerlichen Dekontamination der Behältnisse

    Bei biologischen Probenahmen tritt in der Regel eine zusätzliche Schwierigkeit auf: Kontaminationen sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Um die permanent vorhandene Gefahr der Sekundärkontamination der Probe zu vermeiden, sollen möglichst sterile Probenahmebehältnisse und Hilfsmittel genutzt werden. Dadurch werden zuverlässige Ergebnisse der Analytik sichergestellt. Einmalhandschuhe müssen bei jeder Probenahme verwendet und bei verschiedenen Proben gewechselt werden.

    Mindestangaben zur Dokumentation

    Das Protokoll der Probenahme enthält:

    1. Datum
    2. Name des Probenehmers (zuständige Institution/ Kontakt Leitstelle)
    3. Probenummer
    4. Ort der Probenahme
    5. Uhrzeit
    6. Bezeichnung des Probenahmeteams
    7. Wetter
    8. Art der Probe
    9. Beobachtungen aus dem Umfeld der Probenahme (vor allem Ungewöhnlichkeiten, Verfärbungen von Vegetation, verendete Tiere etc.)
    10. Skizze des Probenahmeortes

    Die Dokumentation der Probenahme soll nachvollziehbar und eindeutig sein.

    Nützliche Vorlagen zur Dokumenation wie auch empfohlene Mindestmengen für Probenmaterial sind im Handbuch zur Probenahme (siehe Weitere Informationen) zu finden.

    Hinweise für einzelne Probearten

    Ist die Probe unsichtbar, beispielsweise als Aerosol, erfolgt die Probenahme aus der Umgebungsluft oder von exponierten Oberflächen. Bei sichtbarem Probenmaterial sollte so wenig Beiprodukt wie möglich zusammen mit der verdächtigen Substanz in den Probensammelbehälter gelangen. In der Regel nicht mehr als 50 g für eine Probe.

    Umgang mit erkennbarem Probenmaterial
    Nach BBK, 2010. Empfehlungen zur Probennahme
    ProbeHilfsmittelzusätzliche Hinweise
    Pulver, lockere Proben Löffelspaten
    Pasten gewöhnlicher Edelstahlspaten
    Bodenprobe Löffelspatenmax. 2 cm tief für möglichst homogene Probe
    kleine GegenständePinzette oder Tiegelzangen
    Bewuchsprobe
    Seitenschneider, Probenahmebeutel und evtl. PE- ProbenahmebehältnisDie Probe wird mit auf links gedrehtem Beutel gefasst, welcher anschließend wieder auf rechts über die Probe zurückgestülpt wird. Wenn Gefahr der Perforation durch spitze Pflanzenteile besteht, dann sollte die Probe zusätzlich in ein PE-Probenahmebehältnis überführt werden.
    Flüssigprobe Pasteurpipetten, Spritzen, Schöpfkellen, Messbecher u.ä. in eine PE-ProbenahmeflascheGeringe Mengen an Flüssigkeit können mit einer saugfähigen Kompresse aufgenommen werden

    Wischproben

    bei feinst verteilten, sehr feinkörnigen, dispersiven Kontaminationen

    Tupfer

    1.Tupfer mit NaCl (0,9%) befeuchtet (kein Medium)
    2.Tupfer mit Bakterienmedium (alternativ FBS)
    3.Tupfer mit Virenmedium (alternativ FBS)

    Schwamm bzw. Kompresse mit NaCl (0,9%) angefeuchtet

    Tupfer: Z-förmige Bewegung auf einer Fläche von ca. 1dm², dabei Tupfer mit den Fingern drehen. Dieses Z-förmige Bewegung 90° versetzt zur ersten Bewegung mindestens noch einmal maximal aber drei weitere Male wiederholen.

    Achtung: Medium und FBS sind nach Inaktivierung und Auftauen nur begrenzt haltbar. Wenn nur eine geringe Menge Probesubstanz vorhanden ist, dann ist die Probenahme mit NaCl durchzuführen.
    Angefeuchtete Proben sollten generell umgehend verschlossen und zeitnah dem Labor zugestellt werden.

    Bei Verwendung steriler Tupfer sollte die Probe in Triplets genommen werden.

    Stand: 01.08.2011

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