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Rizin-Intoxikation Ricinus communis

Allgemeine Informationen

Zur Rizin-Intoxikation kann es durch versehentliche oder beabsichtigte (kriminell intendierte/verursachte) Aufnahme von Rizin oder Bestandteilen der Rizinuspflanze kommen. Rizin-Intoxikationen sind in Deutschland äußerst selten. Außer bei konkreten Hinweisen auf Rizin (z. B. Suizid oder Drohbrief) wird der Verdacht auf Rizin-Intoxikation mit hoher Wahrscheinlichkeit erst sehr spät geäußert werden. Einzelfälle werden unter Umständen gar nicht erkannt. Nur bei einem gehäuften Auftreten ungeklärter schwerer gastrointestinaler oder pulmonaler Erkrankungen würde vielleicht eine Rizin-Vergiftung als Differenzialdiagnose geprüft werden.

Toxin

Rizin gehört zur Familie der Ribosomen-inaktivierenden Proteine des Typs II. Das wasserlösliche Toxin hat ein Molekulargewicht von 64 – 66 kDa und besteht aus zwei Untereinheiten (A- und B-Kette), die durch eine Disulfidbrücke miteinander verknüpft sind. Die Bindung der B-Kette (Lektineinheit) an zellwandständige Glykoproteine und Glykolipide führt zur Aufnahme des Toxins in die Zelle mittels Endozytose. Nach dem Transport ins Zellinnere greift die enzymatisch aktive A-Kette (Glykosidase­aktivität) die 28S-Untereinheit der Ribosomen an und unterbricht damit die Proteinbiosynthese, was letztendlich zum Zelltod führt.

Natürliches Vorkommen

Das hochgiftige Glykoprotein Rizin stammt aus den Samen von Ricinus communis. Die Pflanze war ursprünglich im tropischen Afrika endemisch, wird jedoch inzwischen weltweit in großen Mengen in tropischen und gemäßigten Klimazonen zur Gewinnung von Rizinusöl angebaut. In tropischen Regionen wächst Ricinus communis als Baum von bis zu 8 m Höhe. Wegen ihrer Wuchshöhe von bis zu 2 – 3 m in gemäßigten Regionen wird Ricinus communis als einjährige Zierpflanze auch in Deutschland kultiviert. Die Pflanze mit den großen, bis zu 80 cm langen, gelappten Blättern ist auch unter der Bezeichnung Wunderbaum oder Palma Christi bekannt. In Deutschland gelangt die Pflanze im Herbst zur Blüte. Die Früchte enthalten 3 etwa bohnengroße, gefleckte oder marmorierte Samen.

Alle Teile der Pflanze sind stark immunogen und giftig, wobei das Toxin Rizin vornehmlich in den Samen konzentriert ist. Rizin wird nach Auspressen des Öls aus dem Rückstand der Samen durch Extraktion in wässeriger Lösung gewonnen.

Risikogruppe

Häufig werden die Castorbohnen aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu Nüssen und der auffälligen Marmorierung von Kindern gegessen. Das Verschlucken von Castorbohnen, welche aufgrund ihres Aussehens in Natur- bzw. Ethnoschmuck verarbeitet werden, ist in zahlreichen Fallberichten dokumentiert.

Stand: 10.08.2017

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